Wedding in Masaka-the journey to nowhere

Oh mann, dieses Wochenende erlebte ich mein erstes Abenteuer mit der Brassband in the desert of nowhere- genauergesagt auf einer Hochzeit in Masaka, irgendwo im Osten Ugandas, an der Grenze zu Tanzania. Alles begann recht organisiert Samstagmorgen gegen 10 Uhr (ausgemacht war 9, aber anscheinend “african time&rdquo:die 25 Mitglieder der Brassband, 4 Volunteers und 2 Hochzeitsgaeste quetschten sich samt Instrumenten in den 20 Personenbus und nach einer 2stuendigen, unbequemen, aber interessanten Fahrt, wegen schoener Aussicht, kamen wir in Masaka an. Masaka unterschied sich nicht sonderlich von Kampala, auch dort gab es Bretter-und Blechhuetten, wo Gemuese, Kleider, Schuhe, Koffer, oder Schmuck verkauft wurde und wir mit den gleichen “Mzungu, How are you?”-Rufen begruesst wurden. Doch schon bald bekamen wir eine der typischen afrikanischen Eigenarten zu spueren: keiner weiss eigentlich genau, wann man wo zu sein hat oder wie lange es dauert- und sie brauchen fuer alles mindestens doppelt soviel Zeit. Das heisst also, die Hochzeit beginnt nicht um 2 sondern um 3( da die Hochzeit davor noch nicht fertig ist) und dauert 2 ½ Stunden( da man ausserdem von jedem wichtigen Moment Foto- und Videoaufnahmen machen muss und dafuer extra innegehalten wird). Davon abgesehen war die Feier aber sehr interessant: die Gaeste kleideten sich alle sehr fein, Frauen trugen wunderschoene, farbenfrohe Gomez(traditionelle Kleider mit kopfkissenartigem Turban). Die Maenner hatten Anzug und Krawatte an, z.T. diese in, fuer mich, kitschigen Farben, wie gold, silber oder pink. Die Braut trug einen Traum aus weissem Rausche-Tuell und Spitze, mit glitzerdem Diadem in kunstvoll hochgestecktem Haar, erschien mir aber sehr gestresst. Nach der Zeremonie fuhr die gesamte Hochzeitsgesellschaft in einen Park eines teuren Hotels, wo auch dort nochmal Fotos gemacht wurden. So und dann begann eigentlich der unangenehme Teil- die Afterparty sollte naemlich im Dorf des Brautpaares stattfinden- nochmal 3 Stunden entfernt und in mitten in der Pampa! Wir stiegen also aus, mitten im Dschungel (!) und machten uns, Blasmusikspielend, auf den Weg zum Heimatdorf des Brautpaares. Der Marsch war wirklich total abgefahren: Der Vollmond tauchte die ganze Szenerie in silbernes Licht, man sah jedoch kaum etwas, da von den vielen Fuessen weisser Staub aufgewirbelt wurde. Und ich erwartete irgendwie jederzeit, dass ein Elefant zwischen den Bananenpalmen auftauchen wuerde. Das Dorf war wirklich sehr primitiv und klein (Lehmhauser mit Strohdaechern), dennoch war auf einem kleinen Platz ein Zelt mit Lichterketten(wo bekamen die den Strom her?), Blumenschmuck, Tischen und Stuehlen aufgebaut. Und ueberall standen, sassen, draengten sich schwarze Menschen, sicherlich 200! Das war vielleicht ein komisches Gefuehl, als sich so viele Augenpaare aus dem Dunklen auf einen richteten… Wir Weissen bekamen naemlich extra noch Stuehle in der ersten Reihe und auch einige Stuecke von der Hochzeitstorte(die ein afrikan. Dorf darstellte). Nachdem die Band gespielt und sich die Baeuche vollgeschlagen hatte(sogar auf Hochzeiten gibt es Matoke, Bohnen, Reis und Poshu!Ah!)traten wir gegen Mitternacht den Heimweg an. Auf halbem Weg nach Masaka fing dann ploetzlich der Bus zu stottern an und so fanden wir uns ratlos mit kaputtem Bus mitten im nowhere Ugandas wieder. Gottseidank konnte der Busfahrer dieses Klappergefaehrt halbwegs reparieren, sodass wir es zumindest bis zu einer Tankstelle geschafft haben. Dort verbrachten wir weitere 4 Stunden, in denen wir Wasser zu besorgen und irgendwie-und wo zu schlafen versuchten.(Auf dem Bus, auf der Strasse, aufeinander…nicht sehr bequem und auch ziemlich kalt). Mit 20 km/h, schneller ging der Bus nicht mehr, fuhren wir gegen 6 Uhr dann nach Masaka und von dort nach weiterem Aufenthalt und vergeblichen Reparierversuchen nach Kampala. Letztendlich kamen wir um 10 Uhr an… Ich war so froh zurueckzukommen! Erst eine Dusche und dann in mein Bett- wie wundervoll! Das war das erste Mal dass ich mich irgendwie zu Hause im Rainbowhouse fuehlte! Der Kommentar der Daheimgebliebenen war dazu nur, wir sollten froh sein dass es nicht Regenzeit gewesen sei und wir nicht ueberfallen worden seien,da die Strassen um Masaka sind nicht so sicher sind. Na super. Mittlerweile kann ich auch schon ueber dieses Erlebnis lachen, da sovieles einfach zu verrueckt gewesen ist…- Blasmusik im Dschungel, keinen Schimmer wo wir eigentlich sind, Sternenhimmel, wir am Rande des Wahsinns zwischen unglaeubigem Staunen, unterdruecktem Aerger und Furcht hinterdrein stolpernd, dann eine Braut in weissem Rauschekleid CocaCola trinkend…Wie ein surrealer Film! Dieser Ausflug liess mich hautnah spueren, was es heisst in Uganda zu reisen: durchloecherte Strassen, Pannen, Gestank in ueberfuellten Bussen muss man wohl auf sich nehmen, um das eigentlich atemberaubend schoene Land zu entdecken. Doch ob und v.a. wie ich meine zukuenftigen Reisen plane, ueberlege ich mir sicherlich sehr genau! Viele Gruesse von eurer z.T. ernuechterten, aber um einige Erfahrung reicheren Ronja

4.9.07 13:06

bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Birgit (5.9.07 09:41)
Na servus, da bin ich aber gespannt was zum Jahreswechsel alles passieren wird.

Take care Süsse und rekapituliere deine takewondo -
kenntnisse. mamma


(6.9.07 22:08)
Warum erst zum Jahreswechsel? wie mamma schrieb - offensichtlich passiert in Uganda jede Minute solch abgefahrene Situation. Vielleicht erhöht diese Erfahrung den Wunsch auf einen gediegenen Ostseetörn mit gesetztem Publikum im nächsten Jahr. Das wär' doch eine Freude. B & J aus S


Udo Zindel (7.9.07 15:24)
Liebe Ronja, Deinen tollen, langen Blog-Brief werde ich in Ruhe daheim lesen, habe aber mit Father Michael gesprochen und schon einiges erfahren aus Deinem Leben in Uganda. Ich finde es dermassen klasse und mutig und engagiert, dass Du Dich so einsetzt und aussetzt und gänzlich Unbekanntes wagst. Ich trage nie Hut - aber trotzdem: Alle Hüte ab! Dein Udo.

P.S.: Ostseetörns empfehlen sich ganz besonders für leicht überhitzte Afrika-Heimkehrerinnen. Ist ja noch weit hin, aber geübte Rudergängerinnen wie Du sollte man schon früh anheuern!!


Franzi (9.9.07 12:28)
Liebe Ronja, wow das hört sich ja echt alles total spannend an, was du so erlebst! Bin gleichzeitig geschockt, aufgeregt und beeindruckt, dass du neugierig und erfahrungswütig bleibst! In Irland hab ich nicht sooo viel erlebt
, die 2 Wochen waren aber trotzdem sehr schön, wenn auch verregnet. Hab auch eine Karte geschrieben, aber mangels Adresse nicht abschicken können (des is mir natürlich erst danach eingefallen ). Freu mich auf viele spannende Geschichten, weiterhin ganz viel Spaß!
Bussis Franzi


Birgit (12.9.07 12:23)
An B. und J. aus S.

Deshalb gespannt auf Jahreswechsel, weil ich Ronja dann in Uganda besuche... und Udo denkt auch schon darüber nach, hab ich grad in seinem Mail gelesen. Und du Ronja, willst du wirklich schon wieder eine abenteuerliche Reise in den Outback von Kampala??
Ich schick` dir alle Schutzengel der Familie;
Birgit-M.


Jonas (12.9.07 21:28)
Hey Mama, du verschickst ja einfach so meinen Schutzengel

Liebe Ronja, hast du Heimweh? ich hab Julias Kleine Leonie noch ned gesehn, ich hoff ich seh die bald! Ich vermiss dich auch schon, wird komisch nächste Woche Daheim ohne dich!

Lg

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