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Ich lebe noch.... :-)

                                                                                                    

 

 

Ich lebe noch…. :- )

 

Sicherlich haben sich schon manche daheim gefragt- Mensch, was ist denn mit der Ronja los, wieso gibts denn keine Neuigkeiten mehr?
Erstmal um euch zu beruhigen, mir gehts gut, keinerlei Malariaanzeichen, obgleich vieler Moskitostiche. Bis jetzt hatte von uns nur Natalia Probleme als sie von einer sogenannten Nairobifliege gebissen wurde. Das ist so ein kleiner Kaefer dessen Bisse die Haut entzuenden und dann bekommt man eitrige, rote Flecken, die sich immer weiter ausbreiten. Der Arzt,zu dem wir dann gegangen sind, sind wir dann auch noch ausgelacht worden –ok, vielleicht waren wir etwas zu panisch, wir dachten ja es sei die Kraetze… Gluecklicherweise verschwand dieser Ausschlag aber nach einer Weile wieder von selber.

 

Zurueck zu meiner Schreibfaulheit : natuerlich ist ein Grund das unglaublich nervig-langsame Internet, von den Stromausfaellen ganz zu schweigen, doch letztendlich bin ich schon so tief in das Leben hier eingetaucht, das mir Deutschland ganz unwirklich erscheint.
Ich habe in den letzten 2 Monaten so viele tolle Menschen getroffen, Freunde gefunden und Dinge erlebt, die mich kaum noch an daheim denken liessen.

 

Habe ich ueberhaupt erzaehlt, dass wir jetzt vier Deutsche im Rainbowhouse sind? Natalia und Dana, beide von einer Uni in Bochum, die hier ihr Praktikum machen und Johann, ein bayerischer Brauer, der seinen Zivildienst hier absolviert. Wir sind ein gutes Team wuerde ich sagen. Dana sorgt fuer lange Diskussionen, reflektiert  und hinterfragt sehr viel, Johann und Natalia nehmen die Dinge eher hin wie sie sind und steuern  dafuer den oft noetigen Humor bei.
Anfangs war es meine Aufgabe sie in das taegliche Leben hier einzufuehren und so durchstreiften wir zusammen die Stadt, gingen auf Maerkte, besuchten diverse Sehenswuerdigkeiten und feierten abends in so manchen Bars und Clubs.
Ich habe mich durch meine Landsgenossen zum Glueck nicht von den Ugandern abschotten lassen und habe so viele neue Freundschaften geschlossen.
Zweimal pro Woche gehe ich gewoehnlich im Nationaltheater zum Tanzen, das  Jonas, ein 24jaehriger, sehr ambitionierter und professioneller Taenzer abhaelt. Sein Training-moderner und afrikanischer, traditioneller Tanz ist ziemlich anstrengend, macht aber super viel Spass! Vor allem der afrikanische Tanz: zu unglaublich rhytmischer Musik wird da gestampft und herumgesprungen und inzwischen stelle ich mich dabei gar nicht mehr so bloed an;- )
Mit Jonas unternehme ich auch sonst viel, er hat mich vielen seiner Freunde, die alle in irgendeiner Weise Kuenstler sind, vorgestellt und so haben wir zusammen schon mehrere Ausstellungen, Konzerte und Musicals besucht.
Ein anderer supernetter, interessanter und talentierter Mann ist Kinobe, auch mitte 20. Er ist professioneller Musiker und spielt in der Band Soulbeat, die auch international ziemlich erfolgreich sind. Durch ihn habe ich jetzt total den Faible fuer afrikanische Musik- und vor allem seine :-) Er spielt sicherlich ueber 10 Instrumente, traditionelle und moderne und beherrscht diese so gut, das man gar nicht genug kriegen kann! Hab schon 2 Cds von ihmJ
Dann habe ich noch Sam kennengelernt, Musiker und professioneller Taenzer aber fuer Salsa. Mit ihm habe ich auf seinen neuesten Song ein Duo einstudiert, das  irgendwann mal auch in seinem Musikvideoclip zu sehen sein soll, muss aber noch gedreht werden. Aber schon spannend, gell?

 

Ja und was die Arbeit mit den Kindern angeht, so hatte ich zwischendrin mal eine kleine Durststrecke was das regelmaessige Tanztraining anging- ist einfach schwierig, manchmal kommen die Kids, dann wieder nicht, weil irgendwelche Examen, Feiern oder was auch immer anstehen. Das kann natuerlich frustrieren, vor allem wenn man mit (zu)hoch gesteckten Erwartungen hier ankommt. Immerhin haben wir aber schon beim letzten Social Gathering einen Tanz aufgefuehrt und inzwischen gibt es einen festen Kern, 7 Maedchen, von denen immer jemand kommt und die fuer mich die anderen Kinder mobilisieren.
Momentan proben wir gerade einen israelischen Kreistanz und einen Tuechertanz ein, die wir auf der Weihnachtsfeier zeigen wollen.

 

A propos Durststrecke: hier im Rainbowhouse sieht es finanziell gerade ziemlich schwarz aus, v. a. fuer grundlegende Dinge wie Essen, medizinische Versorgung, Reinigungsmittel ist einfach nicht genug Geld da und immer oefter helfen wir Freiwilligen mit Geld aus. Wie wir da noch fuer eine tolle Weihnachts-und Neujahrsfeier planen sollen, wissen wir erst recht nicht…
Falls also jemand mit einer kleinen Spende weiterhelfen moechte, kann er das ueber den Rainbowhouse of Hope e.V. tun, mehere Infos dazu findet ihr auf www.rainbowhouse.info
Ausserdem wird mich meine Mutter am 23. Dezember fuer 3 Wochen besuchen (jippih!), und auch Dinge fuer die Kinder mitbringen, wer dazu  irgendwas besteuern moechte kann sich unter 08704-657 oder    birgit.nadler@t-online an meine Mutter wenden.
Besonders benoetigt  werden Druckerpatronen von der Marke Hewlett Packard: hp c6578(bunt) und Viking Inkjet Cartridge Vk 6105
ErsteHilfebox, mit Ausstattung(v.a. Pflaster, Desinfektionsspray)
Medizin fuer Schnupfen und Husten
Moskitonetze
Springseile, Tennis oder Jonglierbaelle, Badmintonschlaeger
englische Bilderbuecher, Kinderfilme auf video oder Dvd
einen tragbaren Cdplayer(waere toll fuer Tanzunterricht und Kassettenanhoeren)
Werkzeug( Schraubenzieher, &hellipArbeitshandschuhe
Heftklammermaschinen
Backformen(kleine Foermchen fuer Plaetzchen)
Klettverschluesse um Geldbeutel zu basteln
Bastelmaterial fuer Ketten, Armbaender ( Verschluesse, Nylonschnur, Perlen&hellip

Haengeregale von Ikea sind super um platzsparend dinge zu verstauen

Puh- lange Liste...

Das waere es erstmal von mir, das naechste Mal hoert ihr von mir vom Hype um Chogm, der Queen und vielen BMWs, die zur Zeit, frisch importiert, durch Kampala cruisen!

Bis dahin, alles Liebe

eure Ronja

2 Kommentare 23.11.07 16:39, kommentieren

Ein weiterer Verwandter von Speedy der Maus...

Mein Tag heute hat wirklich nicht gut angefangen. Nachdem ich mich aus meinem Moskitonetz gekaempft hatte, um auf die Toilette zu gehen- nur um sie von unserer Meisterin im Langduschen besetzt zu finden, musste ich mit der Latrine draussen vorlieb nehmen… An Kakerlaken und anderes Kriechgetier habe ich mich ja inzwischen gewoehnt, das ekelt mich nicht mal morgens, wenn ich im Halbschlaf meine klaeglichen Zielversuche anstelle. Doch als ich zurueckkam zog ein herzzerreissendes Piepsen meine Aufmerksamkeit auf sich und als ich dem Geraeusch nachging fand ich eine Maus festgeklebt auf einem Stueck Papier, die sich verzweifelt zappelnd zu befreien versuchte! Das war dann wirklich zuviel fuer mich. Ich kenne diese Fangmethode schon, doch bis jetzt hatte sie noch keinen Erfolg gezeigt. Gewoehnlich stellt Rose diese Fallen auf, sie schmiert speziellen Maeusekleber(!) auf ein Papier, streut darauf getrocknete kleine Fische als Koeder und legt sie dann unter Betten, Schraenken…aus wo sie vor sich hinstinken. Diese Maus jedenfalls war gefangen und so ging ich Rose und die Jungs fragen, was denn jetzt mit dem armen Tier geschehen soll. Die Antwort war:Jemand muss sie totschlagen. Na toll. Jemand. Natuerlich wollte niemand diese Arbeit machen und so beschloss ich die Maus zu befreien. Aber dieser Kleber ist so verdammt klebrig! Mir tat die Maus so leid, als ich versuchte sie mit einem Stoeckchen herunterzupulen-die hat sich so gewunden und geschrien! Ausserdem klappte es auch gar nicht ich bekam nur einen Schrei und Heulanfall und rannte zurueck ins Haus um bei Rose eine Schimpftirade loszulassen, dass das grausam sei und ich lieber mit Maeusen im Haus lebe als sie so verenden zu lassen. Ich stiess nur auf Unverstaendnis und musste mir anhoeren, dass in Afrika Maeuse eben so gefangen werden und wenn sie nicht totgeschlagen wird, dann stirbt sie halt von alleine. Sind das kulturelle Unterschiede, die man einfach als gegeben hinnehmen muss? Ich habe daraufhin jedenfalls sofort die Falle aus meinem Zimmer weggeschmissen und werde in der Stadt nach einer anderen Art Falle suchen. Ich hoffe nur ich finde eine. Oder hat jemand daheim eine Idee wie man Maeuse “artgerecht”fangen/ verjagen/ beseitigen kann?

Eure ratlose Ronja

1 Kommentar 23.11.07 16:42, kommentieren

Wenn es regnet...

Und wenn es regnet…
Regenzeit in Kampala, das bedeutet unglaublich viel Dreck und roter Schlamm, die in reissenden Wassermassen die Strassen herunterstroemen.
Das Wetter spielt wirklich verrueckt: die erste Haelfte des Tages kann es strahlenden Sonnenschein und drueckende Hitze haben und dann verdunkeln innerhalb 10 min riesige Wolkenberge den Himmel, es wird ganz kalt, dann schuettet es wie aus Eimern und alles ist in Null Komma Nichts ueberflutet. Die Menschen fluechten sich unter Vordaecher oder in ihre Haeuser und kommen nicht wieder heraus, bis es aufgehoert hat zu regnen.
Nach diesen Sturzfluten ist die Luft jedoch endlich mal herrlich frisch und sauber.
Als mich der Regen das letzte Mal erwischte ging ich gerade nach Hause und so war der naechste Unterschlupf ein kleiner Bretterverschlag, wo Milch verkauft wurde. Der Verkaeufer, ein Junge von 14 Jahren lernte mir in meiner halbstuendigen Wartezeit ein Kartenspiel und seitdem kaufe ich dort meine Milch ein.
Und wenn die Sonne scheint…
Sonnenschein hier kann angenehm warm, aber genauso unertraeglich stechend heiss sein.
Das war letztens der Fall, als ich mit einem Jungen aus RHU joggen ging. Obwohl es 9 Uhr morgens war, brannte schon bald die Sonne auf uns herab und ich wurde sofort knallrot…
mittags hatte es 40 Grad!
Ein rennender, roter Muzungu ist uebrigens noch viel aussergewoehnlicher als ein normal weisser Muzungu. Das war wohl der Grund warum mir ueberall die Leute hinterherstarrten, mir hinterherriefen und teilweise sogar mitliefen. Das wars dann wohl erstmal mit Joggen, das naechste Mal geh ich abends, wenn es dunkel wird!
Inzwischen meide ich einfach die heisse Mittagszeit und bleibe im Haus, wo es ja auch immer genug Arbeit gibt.
Hausarbeit…
Hausarbeit dachte ich mir- das ist doch kein Problem fuer mich!
Ich habe ja jahrelange Erfahrung durch meinen Putzjob und bin auch sonst kein verwoehntes Prinzesschen. Tja, aber Putzen, Waschen, Abspuelen hier geht eben doch etwas anders von statten als daheim…
Nehmen wir mal an, ich wollte mein Zimmer saubermachen: da gibt es keinen Staubsauger, mit dem man innerhalb 5 min die rote Staubschicht, die eigentlich immer unseren Boden ueberzieht, wegsaugen koennte. Nein, da nimmt man einen Reisigbesen(ungefaehr einen halben Meter lang)mit dem man dann gebueckt wie eine alte Frau den Dreck herauskehrt. Da wir auch keine Schaufel oder aehnliches besitzen, muss man den Dreck immer bis zur Haustuer herauskehren-wenigstens wird dann auch noch der Flur und die Kueche mit saubergemacht. 
Mit dem Wischen ist es aehnlich: mit einem alten, nassen Lumpen rutscht man schrubbend auf den Knien herum. Bin wohl doch verwoehnt, ich sag nur HARAwischer…
Abgespuelt und gewaschen wird natuerlich mit der Hand, das war mir schon klar, das man davon jedoch wunde bis blutige Knoechel bekommt, war mir neu. Jeans und Handtuecher sind besonders gemein.
Auch interessant und fuer mich anfangs absonderlich, ist, dass egal fuer welchen Putzarbeit dieselbe Seife benutzt wird! Und die ist auch noch blau und wird in Halbmeterstangen verkauft-macht aber doch sauber!

23.11.07 16:44, kommentieren